Nur wenige Meter westlich vom eindrucksvollen Stift Ossiach befindet sich ein Gebäude, das mit seiner Geschichte kaum weniger fasziniert: die Stiftsschmiede. Errichtet um das Jahr 900, zählt sie zu den ältesten Bauwerken am Ossiacher See und wurde im Jahr 2000 mit viel Feingefühl in ein Fischspezialitätenrestaurant verwandelt.

Heute ist es jedoch weniger die historische Substanz als vielmehr die gelebte Kulinarik, die Gäste aus nah und fern anzieht. Wo einst das grobe Handwerk des Schmieds dominierte, stehen heute die feinen Künste von Gerhard Satran und seinem Sohn Florian im Mittelpunkt. Während Gerhard Satran sich mittlerweile mit Charme und Hingabe um die Gäste kümmert, hat Florian Satran 2022 die Rolle des Küchenchefs übernommen. Der Kochlöffel wurde ihm dabei sprichwörtlich in die Wiege gelegt. Seine kulinarische Handschrift entwickelte Florian Satran nicht nur an der Seite seines Vaters, sondern auch auf internationalen Stationen in den USA und der Schweiz sowie im renommierten Restaurant Ikarus. Weitere prägende Erfahrungen sammelte er bei seinem Kärntner JRE-Kollegen Thomas Gruber im Schlosshotel Wörthersee – wo er auch seine Partnerin Anja Petschauer kennenlernte. Auch sie hat nach Jahren in der Spitzengastronomie in der Stiftsschmiede ihre kulinarische Heimat gefunden.

Spitzengastronomie in ungezwungenem Ambiente

Die Küche der Stiftsschmiede folgt keinem starren Konzept, sondern orientiert sich konsequent an Saison, Markt und vor allem an den Fischern der Region. Welcher Fisch letztlich auf dem Teller landet, hat oft etwas Unvorhersehbares – beinahe Schicksalhaftes. Wildfang aus den heimischen Seen bringt Charakter mit sich, und genau diesen fangen die Gerichte ein: eine authentische Verbindung aus Seefisch, Wildkräutern und saisonalem Gemüse, die die Essenz der Alpen-Adria-Region widerspiegelt – traditionell verwurzelt und zugleich überraschend modern.

Zubereitet wird direkt am offenen Feuer, an jener Stelle, an der einst das Schmiedeeisen glühte. Diese archaische Form des Kochens verlangt Erfahrung und Intuition. „Kein Sicherheitsnetz, kein Display, das piepst. Dafür Hitze, die wandert, und ein Koch, der mitgeht. Wer hier arbeitet, verlässt sich nicht auf Programme, sondern auf Gefühl“, beschreibt Georg Hoffeiner treffend in der Kleinen Zeitung.

Auch renommierte Restaurantführer sind auf dieses besondere Zusammenspiel aus Handwerk und Kreativität aufmerksam geworden: Der Gault&Millau vergibt eine Haube (13/20 Punkte), Falstaff drei Gabeln (90 Punkte) und der Guide Michelin zeichnet die Stiftsschmiede 2026 mit dem Grünen Stern für nachhaltige Gastronomie aus. Ebenfalls seit 2026 ist das Restaurant Mitglied der Jeunes Restaurateurs.

Trotz dieser Auszeichnungen bleibt die Atmosphäre angenehm ungezwungen. Die Leidenschaft, Begeisterung und der Humor, mit denen hier gearbeitet wird, prägen das gesamte Ambiente. In den Sommermonaten zählt die Terrasse mit Blick auf den nur einen Steinwurf entfernten See zu den stimmungsvollsten Plätzen der Region – nicht zuletzt, weil Restaurants in unmittelbarer Nähe zum Ufer eine Rarität am Ossiacher See sind.

Kein Wunder also, dass sich die Stiftsschmiede in den vergangenen Jahren auch zu einer der gefragtesten Hochzeitslocations in Kärnten entwickelt hat. Samstags weist daher sehr häufig ein „Geschlossene Gesellschaft“-Schild auf private Feierlichkeiten hin. Doch das lässt sich gut planen: In der Sommersaison bleibt das Restaurant lediglich montags und dienstags geschlossen. Eine rechtzeitige Reservierung ist in jedem Fall empfehlenswert – und außerhalb der Hauptsaison lohnt sich auch der Blick auf die Website, um abweichende Öffnungszeiten zu prüfen.

Zimmer frei

Die Wurzeln der Stiftsschmiede reichen über tausend Jahre zurück und stehen in engem Zusammenhang mit der Entwicklung des Benediktinerstifts Ossiach, das über Jahrhunderte ein religiöses, wirtschaftliches und kulturelles Zentrum der Region war. Eine eigene Schmiede war für ein Kloster dieser Größe unverzichtbar: Hier wurden Werkzeuge für Landwirtschaft und Bauwesen gefertigt, Hufeisen geschmiedet und alltägliche Gebrauchsgegenstände repariert. Die Stiftsschmiede war damit ein zentraler Bestandteil der klösterlichen Infrastruktur.

Bemerkenswert ist, dass die Stiftsschmiede – trotz ihres hohen Alters – in ihrer Grundstruktur erhalten geblieben ist. Im Jahr 2000 hat die Familie Satran das dem Verfall preis gegebenen Gebäude neues Leben eingehaucht und ein Fischrestaurant eröffnet. Einen einschneidenden Moment markierte der Brand am 8. August 2012, der große Teile des Gebäudes schwer beschädigte. Was leicht das Ende hätte bedeuten können, wurde zum Ausgangspunkt für einen kraftvollen Neuanfang: Mit viel Engagement und Respekt vor der historischen Substanz wurde die Stiftsschmiede wieder aufgebaut und zugleich behutsam weiterentwickelt.

In der neuen Stiftsschmiede kann man nun auch länger bleiben. In dem renovierten Gebäude wurden 4 Wohnstudios mit Balkon und herrlicher Aussicht auf den See eingerichtet. Die Übernachtung inkludiert auch ein Genießerfrühstück.

Stiftsschmiede Ossiach

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Stiftsschmiede Ossiach 46.675951, 13.981401 Insider Tipp Stiftsschmiede Ossiach