Grand Hotel Annenheim

2018-05-23T17:11:59+00:00 Archiv|

Wo sich heute das Terrassenhaus Landskron und der Robinson Club einen der schönsten Strände des Ossiacher See teilen, stand einst das prächtige Grand Hotel Annenheim. Seine Errichtung im Jahr 1884 markiert gleichzeitig den Beginn des Tourismus am Ossiacher See. Es ist aber auch die Geschichte des dalmatinischen Hirten, Holzknecht und Köhlers Stefan Kleinszig, der es als Analphabet zu beträchtlichem Reichtum gebracht hat – Und dessen Frau Anna, der wir es zu verdanken haben, dass Annenheim zu seinem Namen kam.

In den 1840er Jahren kam der 1822 in Grahova geborene Stephan Kleinszig als Almhalter zum Tabojer nach Pölling. Später als Holzknecht in Afritz heiratete er seine Anna und zog mit ihr als Köhlerehepaar in die sogenannte „Kohlenstör“. Da das Holz zur damaligen Zeit keinen rechten Wert hatte, stellten es die Bauern dem Köhler unentgeltlich zur Verfügung; Man war froh, Weideland zu erhalten.

Mit dem Bau der Südbahn (Marburg – Klagenfurt – Villach, 1863) und der Kronprinz-Rudolf-Bahn (St. Michael – Feldkirchen – Villach und weiter nach Tarvis und Triest, 1868) stieg die Nachfrage an Bau- und Bahnschwellenholz rapide an. Der „windische Holzknecht“ Stephan Kleinszig erfasste, als einer der wenigen in der Gegend, die wirtschaftlichen Möglichkeiten die sich durch den Bahnbau ergaben. Mit über hundert Holzknechten aus seiner alten Heimat wurden ganze Almen vom Baumbestand freigeschlägert.

So erwirtschaftete sich Kleinszig, der noch immer nicht lesen und schreiben konnte, ein beträchtliches Vermögen und erbaute nach Vorbild des Schloss Treffen den Schneeweißhof. Auf Anraten des Bezirkshauptmannes Weinländer von Villach entschloss er sich auch zum Bau eines großen Hotels am Ossiachersee, nachdem er zuvor eine Reise zum Studium von Fremdenverkehrsunternehmungen in die Schweiz und nach Italien unternommen hatte. Das Hotel wurde an der Südseite des Sees gebaut, weil dort der schönste Strand war. Es erhielt nach Kleinszigs Frau den Namen „Annenheim“. Dieser Name ging 1908 amtlich auf die vis-a-vis gelegene Ortschaft, die bis dato „Obersattendorf“ hieß, über.

Für das Hotel wurde eine eigene Haltestelle der „Kronprinz-Rudolf-Bahn“ eingerichtet (der heutige Bahnhof Annenheim) und die Hotelgäste wurden mit dem Dampfschiff zum Hotel übergeführt. Bis in die 1930er Jahre war das Grand Hotel Annenheim das feudalste Haus in der Umgebung: In vielen Berichten wird die beeindruckende Hotelhalle beschrieben und von honorigen Gästen berichtet. So findet sich z. B. im Freud Museum London eine Fotografie, die den Begründer der Psychoanalyse beim Urlaub am Ossiacher See zeigt (Link).

Nach dem Tod Kleinzsigs im Jahr 1897 wechselte das Hotel mehr als 10 mal den Besitzer, bis es im Oktober 1942 als Lagerstätte für tausende Bücher aus der Zentralbibliothek der Hohen Schule von Berlin, die zum Schutz vor Bombenangriffen an den Ossiacher See gebracht wurden, verwendet wurde. Diese bis zu 700.000 Bücher umfassende Bibliothek (der Großteil wurde im fürsterzbischöflichen Konvikt Tanzenberg bei Klagenfurt untergebracht) wurde von den Nazis zum überwiegenden Teil von Privatpersonen und Institutionen geraubt.

Ein Jahr vor Ende des 2. Weltkrieges wurde das Hotel dann als Lazarett verwendet und mit Kriegsende von den Engländern beschlagnahmt. Nach dem Krieg dauerte es bis 1954, bis das Hotel wieder renoviert und eröffnet wurde, und markiert damit auch den Beginn jenes Sommertourismus-Booms, der bis Mitte der 1970er Jahre anhielt.

1971 kam dann das Ende des altehrwürdigen Gebäudes – es wurde gesprengt. Nur das gut erhaltene Bootshaus aus Holz hat bis in die heutigen Tage überdauert und verströmt noch ein wenig Nostalgie!

Linktipp: Weitere großartige historische Ansichten finden sich auf der Website imBild.tv!

Quellenangaben:
Gastarbeiter im Gegental (Gemeinde Treffen)
Die Eigenjagd Kleinszig (pdf, Otto Zernatto, 1952, auf der Website annenheim.org)
Der Ossiacher See in Kärnten, illustriertes Monatsheft, 1926


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